Der Einfluss bereichsspezifischer Expertise auf das Selbstkonzept

In einem Forschungsprojekt zwischen der Universität Erlangen-Nürnberg, Fachrichtung Musikpädagogik und dem Lehrstuhl für Schulpädagogik der Universität Bayreuth sollen Effekte und Genese des musikalischen Selbstkonzepts untersucht werden. Das Untersuchungsdesign ist längs- und querschnittlich angelegt. Dabei gehen wir von folgenden in der Wirklichkeit vorfindbaren Expertisekriterien aus:

  1. Stufe 1: Musizieren in einem Auswahlensemble mit überregionalem Bekanntheitsgrad (Auswahl definiert über Zulassungsbeschränkungen).
  2. Stufe 2: Erlernen mindestens eines Instruments und/oder Gesangsunterricht und/oder Musizieren in einem Ensemble mit hoher Dauer (mehr als 3x pro Woche).
  3. Stufe 3: Erlernen mindestens eines Instruments und/oder Gesangsunterricht und/oder Musizieren in einem Ensemble mit geringer Dauer (weniger als 3x pro Woche).
  4. Stufe 4: keine aktive außerunterrichtliche Beschäftigung mit Musik.

Als Jugendliche, die die Stufe 1 erfüllen, wurden die Choristen dreier international renommierter Knabenchöre ausgewählt: Kreuzchor (Dresden), Regensburger Domspatzen (Regensburg), Windsbacher Knabenchor (Windsbach). Die meisten der aktiven Sänger besuchen die Gymnasialklassen 5 bis 13.
Als Jugendliche, die die Stufen 2 und 3 erfüllen, wurden Schüler und Schülerinnen des sog. Musischen Gymnasiums miteinbezogen. In einem Musischen Gymnasium – zumindest in bayerischen Schulen, in denen die Studie durchgeführt wird - ist das Fach Musik ein Hauptfach und es muss ein Pflichtinstrument erlernt werden. Hier wurde ein Gymnasium total erhoben und ein musischer Zweig eines weiteren Gymnasiums miteinbezogen.
Um die Ergebnisse miteinander vergleichen zu können, werden bei der Stufe 4 Gymnasiasten ohne ein besonderes musikalisches Ausbildungsprofil miteinbezogen. Hier wurde eine Totalerhebung eines mittelgroßen naturwissenschaftlich-mathematischen Gymnasiums vorgenommen. In den einzelnen Erhebungen wurden jeweils 2400 Schülerinnen und Schüler befragt.
Neben diesem äußeren Differenzierungskriterium der Ausbildungsart wurde auch sehr detailliert das eigene individuelle Musizieren erfasst. So ist es gut denkbar, dass beispielsweise ein Schüler des naturwissenschaftlichen Gymnasiums ein leidenschaftlicher Organist ist, schon lange Unterricht erhält und eine große Expertise erreicht hat da er beispielsweise die Orgel in seiner Pfarrei spielt; damit fällt er in Stufe 2.
Die anvisierten Schülerinnen und Schüler wurden in einer ersten Querschnittserhebung im Schuljahr 2002/03 im normalen Unterricht bzw. in ihren Chorzentren befragt. Eine zweite Erhebung folgte im Schuljahr 2003/04; geplant sind im Sinne einer Längsschnittstudie weitere Erhebungen.
Im Zentrum unserer Untersuchung steht das musikalische Selbstkonzept, seine Genese und seine Effekte. Unsere Forschungsfragen richten sich auf folgende vier Bereiche:

  1. Aufbau und Bestandteile des musikalischen Selbstkonzepts
  2. Einflussfaktoren auf das musikalische Selbstkonzept
  3. Auswirkungen des musikalischen Selbstkonzepts
  4. Veränderungen des musikalischen Selbstkonzepts und seiner Effekte über das Alter

Erste Ergebnisse wurden veröffentlichen in:
Bernecker, Klaus, Haag, Ludwig, Pfeiffer, Wolfgang: Musikalisches Selbstkonzept – eine empirische Untersuchung. In: Diskussion Musikpädagogik 29/2006 S.53-57

Pfeiffer, Wolfgang: Das musikalische Selbstkonzept – Effekte und Wirkungen. In: Diskussion Musikpädagogik 33/2007 S.40 – 44

Pfeiffer, Wolfgang: Das musikalische Selbstkonzept – eine Studie zum Einfluss bereichsspezifischer Expertise auf das Selbstkonzept. In: Schläbitz, Norbert: Interkulturalität als Gegenstand der Musikpädagogik, Essen 2007

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